Viva España

Der 12. und damit letzte Lauf meines 21.oans-Projekts führte mich – so wie alles auch angefangen hat – wieder zurück ins Warme. Verbunden mit einem Kurzurlaub bildete der 26. Lanzarote International Marathon das große Finale eines sehr aufregenden Jahres.

Mit dem Flugzeug ging es aus dem kalten Deutschland gemeinsam auf die östlichste der Kanarischen Inseln. Begleitet wurde ich neben Mitläufer Frank, der bereits im Mai dabei war aber nicht mitlaufen konnte, auch von Beate und Uwe. Die beiden sagten spontan ohne lang zu überlegen bei einem Jugendspiel unserer Fußballer zu. Schon allein, weil es dort ja so schön ist. Zu einer Teilnahme am Lauf wollten sie sich zwar nicht überreden lassen, dennoch war ich sehr gespannt wie sich das alles entwickelt.

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Noch im kalten Deutschland

Die Abholung der Startunterlagen legten wir auf Donnerstag früh, dies in der Hoffnung auf schnellen Ablauf. Wir hatten etwas zu warten, aber dennoch war es gut organisiert und ging geordnet voran. Das Welcome-Pack beinhaltete neben mehreren Schönheitsprodukten auch ein Laufshirt, Socken sowie Getränk. Es gab schon weniger für die Startgebühr.

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Welcome-Pack
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Abholen der Startunterlagen

Danach führte uns der Weg mit dem Auto etwas über die Insel und wir sahen uns u.a. Teguise an. Leider konnte man hier die Nuestra Señora de Guadalupe nicht innen besichtigen, der Glockenturm aus rotem Vulkangestein war aber auch sehr schön anzusehen. Unweit der Kirche gab es ein sehr leckeres (und günstiges) Mittagessen, bevor wir weiter Richtung El Golfo fuhren.

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Nuestra Señora de Guadalupe
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Festung Castillo de Santa Bárbara

Besonders markant für diesen kleinen Ort ist ein teilweise im Meer versunkener Krater des Vulkans Montaña de Golfo. Bedingt durch einzellige Algen, welche sich dem hohen Salzgehalt der Lagune angepasst haben, zeigt sich die Lagune in einem markanten grün.

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Kratersee Charco Verde

Auf dem Rückweg nach Puerto del Carmen konnten wir uns noch ein Bild vom Weinanbau auf Lanzarote machen. Die Rebstöcke werden teilweise bis zu 3m tief, einzeln in einen kleinen, mit Mauern umgebenen Krater gepflanzt. So kann sich tagsüber die Vulkanasche aufheizen, nachts aus der Luft die Feuchtigkeit gezogen werden und gegen Wind und austrocknen sind die Reben auch geschützt.

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Weinanbau

Nach einigen weiteren Fotostopps folgte ein schöner Abend u.a. mit irischer Live-Musik in einem Pub. Auch der Freitag wurde ohne Hast sehr entspannt angegangen. Schließlich war Urlaub angesagt.

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Besichtigung der Laufstrecke am Vorabend

Dann war auch schon der Wettkampftag da und die Reise neigte sich mit ihrem Highlight dem Ende zu. Die deutschen Printmedien vermeldeten für den Lauf am Samstag bestes Wetter und den wärmsten Tag unseres Urlaubs. Dies konnten wir beim Verlassen unseres Hotels um kurz nach 9 nicht glauben, denn es war bewölkt und windig. Am Startpunkt angekommen meldete sich meine innere Stimme und nötigte mich, doch noch im Hotel unsere Sonnenbrillen zu holen. Diese sollten sich dann auch bezahlt machen, denn die Wolken verschwanden und zum Nordostpassat (Info: Wind, kein Kraftfahrzeug) gesellte sich nun die Sonne. Aber jetzt waren wir gerüstet und konnten uns dezent einem Aufwärmprogramm widmen.

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Der Beweis

Der Media Maratón startet um 10.30 Uhr in Puerto del Carmen, direkt an der Wende des Maratón, welcher bereits um 8.00 Uhr am Ziel in Costa Teguise gestartet wurde. Entlang der Strandpromenade schob sich das Halbmarathonfeld, gemeinsam mit den Marathonis, Richtung Osten. Kurz nach dem Start sah ich dann auch Beate und Uwe, bewaffnet mit Kameras, am Rand stehen und anfeuern. Nun sollte es noch einen knappen 20er dauern, ehe man sich wieder sah.

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Noch beim Aufbau
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Zielbereich am Donnerstag

Die Strecke führte ab km2 entlang des Aeropuerto de Lanzarote und es ist schon interessant anzusehen mit den startenden und landenden Flugzeugen direkt über und neben einem. Man hatte immer was zu beobachten. Leider war auf diesem Stück nicht jedem Urlauber klar, dass es sich beim Lanzarote Marathon um einen Lauf mit Wettkampfcharakter handelt und so blieb dann doch der ein oder andere mal mitten auf der Strecke stehen. Aber da die Straßen ja für alle da sind muss man sich auch als Läufer dementsprechend anpassen. Und irgendwie ging es auf dem engen Streckenabschnitt doch auch alles gut.

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Was ist das?

Wenig später passierte ich eine Läuferin mit einem ‚100 Marathon Club Deutschland‘-Shirt und grüßte freundlich Moin. Einen Augenblick später vernahm ich dann die Entgegnung, sie war wohl etwas verdutzt. Dass ich mit dem Gruß mal gar nicht so falsch lag, begriff ich erst wieder in meinen eigenen vier Wänden…

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Salinas de Janubio (Salzgewinnung)

Über Playa Honda ging es dann immer weiter parallel zum Atlantik Richtung der Hauptstadt, welche das im Landesinneren gelegene Teguise seit Mitte des 19. Jh. abgelöst hat. In Arrecife, seit 1852 neue Hauptstadt Lanzarotes, passierte man neben dem kleinen, aber sehr feinen Stadtstrand auch einen Pavillon mit Moderator und lauten Beats. Einem englischen Läufer gefiel die gespielte Musik so gut, dass er spontan eine Gesangseinlage zu John Travoltas und Olivia Newton-Johns Hit ‚You’re the One That I Want‘ gab. Zum Glück war er nicht schlecht, denn ich hätte nicht davonlaufen können *grins*

Kurz nach der 10km-Marke sah man auf der rechten Seite die beiden Türme der Zugbrücke von Puente de las Bolas. Diese befindet sich am Zugang ins Museo de la Historia, welches sich im Castillo de San Gabriel auf einer kleinen vorgelagerten Insel, der Islote de Fermina, befindet. Wenig später durchquerten die Läufer den Startbereich zum 10km-Lauf. Hier war wieder etwas mehr Stimmung und es wurden alle auf der Strecke angefeuert. Zwei Kilometer weiter ging es dann aber richtig los. War die erste Hälfte des HM noch flach, kamen nun die ‚großen‘ Berge auf die Läufer zu. Es ging hoch und runter. Nicht viel, dass hatte Uwe schon tags zuvor festgestellt, aber im Zusammenspiel mit Sonne und Wind war es definitiv nicht mein Ding und so trabte ich mehr die Steigung hoch, rennen war es nicht wirklich. Viele Mitläufer schafften aber dies noch nicht einmal. Meiner Uhr nach zu urteilen waren es insgesamt nur 75hm auf die 21km, das ist ja dann auch nicht die Welt. Wer weiß, welche dunkle Macht aus dem Pub uns da so langsam werden ließ 😉

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Dämmerung am Strand

Zwischen Arrecife und Las Caletas lief man dann an einer wahren Sehenswürdigkeit vorbei, dem Wrack der 1981 gesunkenen Telamon (vormals Temple Hall). Das Frachtschiff wurde damals leckgeschlagen von einem Thunfischfänger an diese Stelle im Industriehafen manövriert. Ursprüngliche Reiseroute war von der Elfenbeinküste nach Thessaloniki, wo eine Ladung Baumstämme abgeliefert werden sollten. Ein kleiner Teil dieser schmückt nun einen Kreisverkehr in Costa Teguise. Das Schiff wurde damals auch von weiteren Käufern nicht mehr instandgesetzt und so brach es nach einem erneuten Sturm auseinander und bildet nun ein beliebtes Fotomotiv und Tauchrevier.

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Markante Landschaft

Nun ging es auf die letzten 7 Kilometer und irgendwann kam die Erkenntnis, dass ich weder meinen besten, noch meinen schlechtesten Lauf werde machen. Somit genoß ich die Strecke, die Eindrücke und ließ auch schon etwas das Jahr Revue passieren. Doch irgendwie war ich zu sehr mit mir beschäftigt, denn auf einmal überholten mich einige Läufer und ich bemerkte, dass ich mehr im Wohlfühlmodus war. Dies versuchte ich nun auf dem letzten Stück gutzumachen und steigerte wieder das Tempo. Ab km 20 ging es dann auch quasi nur noch bergab, dies bekam man kurz vorher auch von einigen Helfern zugerufen. Als ich den Zielkanal mit den vielen Leuten sah, gab es doch noch einmal einen Ruck – ok, vielleicht auch mit Blick auf die Uhr. Jedenfalls gab ich noch mal alles um noch unter die 1:50 zu kommen, so eine vier sieht ja doch besser aus als ne fünf 😉 Ob Beate und Uwe mich auf der Tribüne im Ziel überhaupt aufs Bild bekommen war mir in diesem Moment egal und ich war sehr froh, dass ich auch meinen letzten Lauf dieses Projekts erfolgreich gefinisht hatte. Mit gestoppten 1:49:40 nahm ich erleichtert meine Medaille entgegen.

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Nummer 12

Danach traf ich mich kurz mit den beiden Fotografen und wollte mich dann im gut ausgestatteten Zielbereich etwas stärken, ehe ich Frank in Empfang nehmen wollte. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und die war es wirklich. Von Eis, über verschiedene Iso-Drinks, alkoholfreiem Erdinger (nett wie das die Spanier aussprechen), Süßigkeiten, salzigem bis hin zu Sandwiches war alles geboten. Es handelt sich hierbei um eine sehr gut organisierte Veranstaltung. Lediglich würde ich mir wünschen, dass nicht nur die brutto-Zeit genommen wird, sondern auch am Start eine Matte die eigentliche Laufzeit registriert. Bei einem Event dieser Größenordnung sollte das kein Problem darstellen.

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Der Kollege hat mehr geschwitzt als wir

Frank erreichte dann in einer 2:14 das Ziel und ich glaube auch er war froh, dass er es geschafft hatte. Gestört hatte ihn lediglich, dass der Pace-Maker mit der 2-Stunden-Marke irgendwann weggelaufen ist… Frechheit aber auch 😉

Wir trafen dann noch einen Läufer aus der Nähe zu unserem Wohnort und plauschten etwas, danach stärkte sich Frank noch und wir gesellten und zu den beiden Nicht-Läufern.

Unsere Zielzeiten bedeuteten für Frank Platz 40 in der Altersklasse VetD-M. Ich darf mich über Platz 32 von 62 in der VetA-M (Veteran A: 35 – 39 y.o.) freuen, was gleichsam 184. von 593 aller Media-Finisher bedeutet.

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Nach dem Lauf

Zurück zur deutschen Marathonläuferin. Diese sah ich dann im Ziel wieder und wir unterhielten uns kurz über ihre Zeit. Mit 5:03 war sie ganz zufrieden, es war ja auch ‚etwas anstrengend‘. Leider waren meine Mit-Urlauber schon vorgelaufen und es blieb keine Zeit für ein größeres Gespräch. Nachdem ich dann etwas online gestöbert habe, muss ich nun meinen Hut ziehen und verneige mich ehrfürchtig vor ihr. Es war der mittlerweile (!) 704. Marathon bzw. Ultramarathon (alles was länger als ein Marathon ist nennt man Ultra), die anderen Läufe wollen wir gar nicht extra benennen. Chapeau an Christine Schroeder. Meinen allergrößten Respekt und vielleicht bekomme ich im ‚hohen Norden‘ irgendwann die Möglichkeit, gemeinsam mit dir einen Lauf zu machen. Weiterhin alles Gute.

Abschliessend betrachtet bietet der Lanzarote International Marathon für jeden etwas an. Für die sportlichen Urlauber wird neben Marathon, Halbmarathon und den 10km- bzw. 5km-Läufen auch die komplette Marathon-Distanz für Rolli-Fahrer angeboten. Mit knapp über 1.600 Läufern ist er zudem nicht zu überlaufen. Und auch der sonnenhungrige Mitteleuropäer, der nur kulturell und landschaftlich interessiert ist, findet noch genügend Zeit um gebräunt rot zu werden – und das so kurz vor Weihnachten 😉

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Wolkenloser Himmel + Schneemann = rote Birne ^^

Vielen Dank an meine Begleitungen, es hat super viel Spaß gemacht. Das wiederholen wir doch bestimmt noch mal. Lustig war es mit euch allemal.

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Am Meer
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Ein Gedanke zu “Viva España

  1. Manuela Wilferth 22. Dezember 2016 / 5:18

    Glückwunsch! Das war ein tolles Projekt!

    Gefällt mir

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