Dobar dan per Schiene

Kurz vor Ende des Oktober begab ich mich auf die Reise zu meinem 10. Auslands-Halbmarathon in diesem Jahr. Auch eine Begleitung war diesmal wieder mit dabei. Nachdem sie im Juni kurzfristig noch absagen musste, genoss ich nun die Gesellschaft von Manuela. Da sie  zum familiären Umfeld gehört, darf ich jetzt natürlich nichts negatives schreiben. Aber durchgeknallt, bekloppt und manchmal etwas komisch – nicht im Sinne von lustig – kann ja auch durchaus positiv sein. Und das ist Manu auch!

Kalli, der reizende Rocker (um es mit den Worten von Inka Bause zu sagen – hoffe das gibt keinen Ärger mit dem Club), welcher der Angetraute von Manu ist, fuhr uns samstags früh vom vorderen Odenwald nach Darmstadt, damit wir mit dem EuroCity zu unserem Zielbahnhof fahren konnten. Der Clou war, dass wir eine Zugverbindung wählten, welche ohne Umstieg direkt nach Laibach fuhr. Dies liegt in Slowenien und dürfte den meisten unter Ljubljana besser bekannt sein.

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De Zoch kütt

Dank reservierter Plätze mussten wir es auch nicht den vielen suchenden Mitreisenden gleichtun, denn aufgrund eines fehlenden Waggons – der dann in Villach gefunden wurde – waren die Abteile gut besetzt. Somit konnten wir entspannt im kleinen 6er-Abteil zur Ruhe kommen. Noch… Nach einigen wechselnden Mitfahrern, welche Teilstrecken mit uns unterwegs waren, konnten wir dann die letzten 4,5 Stunden die Croatian Gang bei uns begrüßen. Darunter ein Sohn (im gehobenen Alter) und seine Mutter, weiterhin ein Gastarbeiter der sehr wenig sprach, sowie ein junger Mann der scheinbar gerade aus Südamerika kam. Der sprach anfangs zu viel, zum Glück aber nur portugiesisch und kroatisch. Mit meinen auf Madeira gelernten Wortfetzen konnten wir uns somit nicht unterhalten.

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Sehr nette Gesellschaft

Richtig gefreut hatte mich, dass eine Bahnfahrt doch immer Überraschungen mit sich bringt. So war einer der Haltepunkte Faak am See, der aufmerksame Leser wird sich nun erinnern, dass ich hier bereits im Juli zum Halbmarathon war. Mit der Bahn fuhr man sogar direkt an der Laufstrecke lang.

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Willkommen zurück

Ohne Umstieg erreichten wir pünktlich nach Fahrplan den Železniška postaja Ljubljana, den Hauptbahnhof der 288.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Sloweniens, welche seit Ende der 1970er Jahre eine Städtepartnerschaft mit Wiesbaden unterhält. Von hier aus waren es noch knappe 800m zu Hotel, in welchem sich ausser uns noch mehrere Marathonis einquartiert hatten. Das Hotelpersonal war auch darauf eingestellt und berichtete bereits beim einchecken, dass am kommenden Tag die komplette Gegend dicht ist. Danach ging es auf kleine Erkundung in die Stadt. Da ich vor einigen Jahren schon einmal hier war, kannte ich noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit und konnte diese Manu zeigen.

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Wie nett 🙂

Neben den Tromostovje (Drei Brücken) ist das auch noch der Markt, welcher am Dom stattfindet. Während unserer Tour war gerade der Schokoladenmarkt, wo kleine Manufakturen ihre aus dem Naschwerk gefertigten Werke anboten. In Laufnähe findet man ebenfalls das Rathaus und an allen möglichen Stellen begegnet einem der Ljubljanski Zmaj. Der Drache, üblicherweise im böswilligen Bereich angesiedelt, beschützt in diesem Fall die Stadt und findet sich dementsprechend auch im Stadtwappen wieder.

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Schokoladenmarkt

Die Möglichkeit, sich bei einem Getränk nett zu unterhalten und eine Kleinigkeit zu essen gibt es direkt an der Ljubljanica (dt.: Laibach). Trotz kühlen Temperaturen waren Heerscharen von Touristen und Einheimischen auf der Promenade außerhalb der Restaurants und Bars und es war jede Menge los.

Nachdem Manu und ich wieder im Hotel waren, gingen die Planungen für den Wettkampftag los. Glücklicherweise wurden die Uhren umgestellt und die Stunde mehr war in Schlaf gut angelegt. Sonntag früh machten wir uns schon zeitig zum Frühstück auf, danach holten wir die Startunterlagen ab. Diese gab es im Messe- und Kongresszentrum, knappe 1.200 m vom Hotel entfernt. Bereits um kurz nach sieben waren schon viele Läufer unterwegs, die Abholung klappte sehr gut, wie die restliche Organisation auch. Überall war man freundlich, hilfsbereit und immer darauf bedacht, individuell weiterzuhelfen.

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Unterlagen und mehr auf der EXPO
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Abholung der Startunterlagen

Anschließend sahen wir uns noch den Start-/Zielbereich an und machten für nach dem Lauf einen Treffpunkt aus. Bereits jetzt war hier schon einiges los, denn nach dem Lumpi-Run, den Kinderläufen am Vortag, war der Zehner am Sonntag der erste Lauf auf dem Programm. Wir verzogen uns dann noch mal ins Hotel und ich konnte meine Sachen richten.

Eine Stunde vor Rennbeginn machten wir uns dann wieder auf und nun kamen auch wieder meine Bedenken hoch. Da ich verletzungsbedingt knappe fünf Wochen – seit dem Lauf in Luxemburg – weder trainieren noch schmerzfrei gehen konnte, rechnete ich mir für den Lauf entweder Startverzicht oder Abbruch aus. Glücklicherweise brachte dann aber die vom Arzt auferlegte KG doch etwas und auch meine selbstverordneten Salbungen und Tipps von Läuferkollegen (an dieser Stelle weiterhin gute Genesung Christian) machten mir das Einlaufen etwas einfacher. Somit wollte ich schlicht auf ankommen laufen und reihte mich in Startblock 3 ein.

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Hier geht es lang

Der Start zögerte sich somit etwas hinaus und demnach passierte ich erst knappe 9 Minuten nach der Elite und den Inlinern die Startlinie. Besonders imposant ist hier, dass man kurz darauf unter einer Musikgruppe durchläuft, welche auf einem Podest erst kurz vor dem Start über die Laufstrecke gehoben wird.

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Da geht es gleich darunter durch

Mein GPS-Empfang der Uhr war auch nach 30minütiger Suche immer noch nicht bei 100%, so lief ich dann auch ohne die genau zurückgelegte Wegstrecke los. Meine Orientierung waren dann die KM-Schilder an der Seite. Ungewohnt, aber vielleicht auch gut, da ich mich demnach nicht an der Uhr orientieren konnte und wollte.

Es ging flüssig voran und mein Bein machte keine Anstalten, daher erhöhte ich leicht das Tempo und überholte einige Läufer. Mich wunderte nur, dass ich auch nach 15 Minuten immer noch an Kindern und auch sehr alten Läufern vorbeirannte. Nichts dagegen zu sagen, Sport ist ja gesund. Aber was machen diejenigen im Startblock unter 1:43. Da die Strecke anfänglich breit genug war, machte dies aber wenig aus. Lustig war dann kurz vor km 5 ein männlicher Läufer. Ich selbst entschied mich aufgrund der Witterung für ein langes Shirt und kurze Hose. Der Gute wiederum war mit einem Peter Falk-Gedächtnistrenchcoat unterwegs. Starkes Bild – Columbo ließ grüßen.

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In der Startaufstellung

Kurz danach gab es die erste Verpflegungsstelle und leider spiegelte sich hier die ansonsten sehr gute Organisation nicht wieder. Die Helfer waren dem Ansturm der Läufer einfach nicht gewachsen und kamen mit Wasser bereitstellen nicht hinterher. Das kühle Wetter ließ dann glücklicherweise auch den ein oder anderen Läufer einfach durchlaufen und so staute es sich nicht noch mehr.

Schön war während des ganzen Laufs die Beteiligung der Zuschauer. Diese fieberten mit, feuerten an, hielten selbstgemalte Schilder hoch und waren sehr enthusiastisch bei der Sache. Besonders die verschiedenen Arten der Musikgestaltung. Neben Trommlern, gab es Gitarristen und auch ganze Bands spielten am Rand. Besonders gefreut hat mich, dass auch die Zwillingsschwester von Jazz Gitti uns anfeuerte. Stimmlich einfach wunderbar und dem Original wie aus dem Gesicht geschnitten. Gerne hätte ich noch einige Zeit gelauscht.

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Der Zielkanal von oben

Doch auch etwas später gab es noch einiges für die Ohren. Man hörte schon von weitem einen Mann anfeuern und als man direkt bei ihm war, merkte man, dass er weder über Megafon, noch Lautsprecher oder sonstiges verfügte. Der Marktschreier aus der Darmstädter Ernst-Ludwig-Straße wäre vor Neid glatt verstummt. Was für ein Stimmorgan.

Die Strecke führte nun etwas aus der Stadt raus und wir passierten ein kleines Waldstück, danach ging es die letzten 5 km wieder Richtung Innenstadt. Leider merkte ich kurz darauf doch mein Bein wieder und auch das fehlende Training tat sein Übriges. Mit etwas Tempo raus und tief durchschnaufen ging es dann aber doch weiter und ich freute mich, dass ich ohne größere Schmerzen diesen Lauf bewältigen konnte.

Kurz nach KM 20 trennten sich dann die Wege. Die Marathonis bogen rechts ab auf eine erweiterte Runde, bevor sie mit KM 41 wieder die Altstadt querten, die Halben schwenkten links ab Richtung blauen Teppich und Ziel. Begleitet wurden aber alle – und wie soll es in dieser Region denn auch anders sein – mit dem Trompeten-Echo von Slavko Avsenik und seinen Original Oberkrainer.

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Gleich fertig

In einer Zeit von 1:49:53 erreichte ich dann das Ziel. Aufgrund der Rahmenbedingungen kann ich ganz zufrieden sein. Nun heißt es jedenfalls erst mal komplett fit werden. Der nächste Lauf kommt bald.

Mit meiner gelaufenen Zeit wurde ich 1.989. von 7.363 Finishern und 368. von 819 in der AK M35. Insgesamt nahmen an beiden Tagen über 18.000 Personen an den Läufen teil.

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Entspannt nach Nr. 10

Nachdem ich mich ordentlich gestärkt hatte, traf ich mich mit Manu am vereinbarten Treffpunkt und nach einer ordentlichen Dusche ging es erneut auf Tour. Nach dem Essen wurde der Wunsch der Trinkgeldkönigin erfüllt, dieser führte uns zu Fuß – aahhhh – auf die Ljubljanski grad, der im 12. Jahrhundert erstmals erwähnten Burg oberhalb der Altstadt. Natürlich hätten wir auch mit der Standseilbahn fahren können, aber wo ich schon mal warmgelaufen war… 😉 Die im Laufe der Jahrhunderten mehrfach umgebauten Burg, bietet neben verschiedenen Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen auch Restaurants einen wunderschönen Ausblick auf Laibach, die Region und die angrenzenden Berge.

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Blick von der Burg

Montag früh hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen. Auf der Rückfahrt gab es dann ein durchwechseln der Mitreisenden, wobei wir die meiste Zeit doch das Abteilfür uns hatten. Erwähnen möchte ich stellvertretend für alle die 3 Chinesen von München nach Augsburg. Leider ohne Kontrabass, das hätte aber ein Spaß werden können.

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Ljubljanski Smaj

Wiederum pünktlich erreichten wir den Bensheimer Bahnhof und nach einer schönen Zugfahrt – mit Textprobe vom diesjährigen Theaterstück, bei welchem Manu mitspielt –  ging auch dieser Trip zu Ende. Gefreut hat mich, dass sie sich die Zeit genommen hat und auch ein Teil dieses Projekts geworden ist. Vielen Dank, es war sehr schön.

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