Route du Vin beim kleinen Nachbarn

Zu meinem neunten Auslands-HM im Jahr 2016 meldete ich für einen Lauf in Luxemburg. Genauer fand der Lauf in Remich (Réimech) statt, welches direkt an der Mosel gelegen, den Route du Vin Semi-Marathon ausrichtet. Und, das sei hier gleich zu erwähnen, dies bereits zum 55. Mal. In etwas abgeänderter Form der Laufstrecke findet seit 1962 hier der Halbmarathon statt.

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Die kleinen Länder meiner Europatour ziehen scheinbar nicht die kulturell interessierten Mitfahrer an, so fuhr ich nach Malta ins flächenmäßig nächstgrößere Land der EU ebenfalls ohne Gesellschaft. Der Aufenthalt diesmal gestaltete sich einfach; da der Start erst um 15 Uhr war, plante ich frühe Hinfahrt – Unterlagen holen – Laufen – Entspannen – Heimfahrt. Vorab gesagt, die zwei Fahrten und das Abholen funktionierten gut…

Kurz nach elf Uhr erreichte ich dann wie anvisiert nach einer knapp 3-stündigen Fahrt mein Ziel in der 3.500-Einwohner zählenden Stadt am Moselufer. Vorab hatte ich mir schon eine Parkmöglichkeit ausgesucht und da ich sehr früh vor Ort war, gab es auch noch reichlich Platz. Remich ist neben dem Zentrum luxemburgischen Weinbaus auch vor allem ein Touristenstädtchen. Dies macht sich an den vielen Restaurants, welche unweit der Promenade liegen, aber auch an den Ausflugsschiffen bemerkbar, die auf Höhe der Grenzbrücke anlegen. Auf dieser wird übrigens auch ein Fastnachtsbrauch gepflegt und hier bin ich nun mal so frei, direkt aus Wikipedia zu zitieren.

An Aschermittwoch wird ein besonderer Brauch begangen: Mit dem Verbrennen einer Strohpuppe auf der Moselbrücke wird die Fastnacht beendet. Nach dem ursprünglichen Brauch sollen die Flammen die bösen Geister der Winterzeit vertreiben und den Frühling willkommen heißen. Die Strohpuppe heißt „Stréimännchen“; in Schaltjahren wird ein „Stréifrächen“ (Strohfrauchen) verbrannt.

Nun machte ich mich auf um meine Unterlagen abzuholen. Der Weg führte mich durch kleine Gassen bergauf Richtung Centre scolaire et sportif, wo die Ausgabe der Startnummern erfolgte. Neben einem Welcome-Package mit Proben eines namhaften Powergel- und Energiewaffelproduzenten gab es noch eine Flasche Gales Blanc de Blancs Brut Privat Cuvée als Zugabe. Bin gespannt wie das Schöppchen so schmeckt 🙂

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Ein feines Tröpfchen?!

Neben deutsch ist auch französich und luxemburgisch offizielle Amtssprache im Groussherzogtum Lëtzebuerg. Es ist apropos als letztes übrig geblieben, während weitere wie z.B. das Großherzogtum Hessen-Darmstadt oder auch Sachsen-Weimar-Eisenach bereits nicht mehr existieren. Die Mehrsprachigkeit stellte man dann unterwegs bei allen möglichen Schildern, Wegweisern, Unterhaltungen etc. auch fest. Luxemburgisch als Sprache klingt schon interessant und man glaubt eigentlich immer alles zu verstehen. Vergleiche zu Dialekten oder Landessprachen fallen mir gerade schwer, moselfränkisch als Richtung sollte es aber doch recht gut treffen. Ich musste jedenfalls immer an Jean Pütz denken, dieser verbrachte übrigens seine Kindheit und Jugendjahre eben genau hier – in Remich. Für alle die ihn nicht wirklich kennen, es handelt sich hierbei um keinen geringeren als den eineiigen Bart-Zwillings-Klon von Horst Lichter.

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Wäschfra-Brunnen wenige Meter vor dem Ziel

Mit meinen neuen Errungenschaften ging es dann also zurück Richtung Piscine en Plein Air, dem Freibad. Hier, wo ich bereits parkte, befanden sich außerdem auch die Umkleiden und Aufbewahrung für Taschen. Es war somit alles in der Nähe und organisatorisch gut durchdacht. Zum Start waren es von hier knappe 700m, dies wurde dann auch gleich der Warmlaufbereich.

Dem pünktlichen Start um 15.00 Uhr direkt unter der Moselbrücke folgte ein Lauf linksmosellisch (falls es das Wort überhaupt gibt, aber linksrheinisch macht im Zusammenspiel mit Mosel mal gar keinen Sinn), dies meist in der Sonne, welche für Temperaturen um die 26 Grad (+x) sorgte. Zuerst erreichten wir nach wenigen Kilometern Stadtbredimus, welches alljährlich eines der größten Weinfeste der Region veranstaltet. Die Masse an Läufern schob sich danach weiter moselabwärts über viele Flussschleifen, bis die Waistrooss (Route du Vin) noch durch Hettermillen und Ehnen (lux.: Éinen) führte, ehe es kurz danach mit einer Wende auf gleicher Strecke zurück zum Ausgangspunkt ging.

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Die Grenzbrücke

Bereits kurz nach KM 8 kamen mir die ersten Läufer entgegen, ein Pulk Kenianer und Äthiopier machten die ersten 10 Plätze unter sich aus. Wobei das natürlich nur der erste Eindruck war, denn auch in diesem Jahr gewann wieder nur eine Nation. Bemerkenswert ist der 21. Sieg eines Läufers aus Kenia in Folge!!! Der FC Bayern des Laufsports eben 🙂

Kurz vor der Umkehr war es dann leider so weit und es passierte was sich eigentlich schon nach Norwegen abzeichnete. Seit den Tagen dort hatte ich ein paar Probleme beim Auftreten und an ein geregeltes Training war nicht zu denken. Stattdessen wurde gesalbt und mit Schmerzmitteln versucht über die Runden zu kommen. Eine Milchmädchenrechnung. Der anschließende Lauf im Kochertal 14 Tage später war dann dementsprechend und auch die komplette Laufpause anschließend sorgte nicht für Besserung. Dennoch versuchte ich meine anvisiert (relativ lockere) Pace weiterhin beizubehalten. Irgendwann ging es aber nicht mehr wirklich und zwangsläufig kam nun all das – was die letzten Wochen nicht beachtet wurde – von meinem Körper zurück und setzte sich direkt in den Beinen fest. Da ich von nun an nicht mehr richtig auftreten konnte, musste ich gelegentliche Gehpausen einlegen, die dann aber doch immer länger wurden. Zwischendrin mal etwas schneller gehen, aber insgesamt doch sehr unrund.

Irgendwie schleppte ich mich dann doch ins Ziel und im ersten Moment war ich enttäuscht von mir. Nicht vor der Leistung, schließlich habe ich den Lauf beendet, sondern vielmehr darüber, dass ich nicht auf die Zeichen meines Körpers gehört habe und unbedingt alle Läufe der letzten 4 Wochen machen wollte. Drei HM ohne richtiges Training, dazu Beschwerden und das etwas ungewohnt warme Wetter im September, weiter die Anfahrt am Lauftag, all das war letztendlich ausschlaggebend für einen nicht so tollen Lauf. Wenigstens die schöne Aussicht auf Mosel samt Umgebung und die vielen anfeuernden Zuschauer an der Strecke machten es etwas erträglicher.

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Fotos vom Lauf konnte ich diesmal keine machen. Ich hatte zwar ad hoc mehr Zeit um etwas fokusieren zu können als bei vorherigen Läufen, die Kamera war auch geladen, allerdings fiel mir beim Einlaufen wieder ein, dass ich die kleine Speicherkarte im großen Adapter am noch größeren Laptop habe liegen lassen… Wer sich aber von der Landschaft selbst ein Bild machen möchte, der sollte mal an die Mosel reisen. Es lohnt sich 😉

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Foto: Jeanny Hostert-Marx

Zu meiner Zeit gibt es nicht viel zu sagen. Die 1:54:12 war nicht das was ich mir erhofft hatte, das machte sich auch an den Platzierungen Gesamt-672. (von 1.547 im Ziel) und 115. in der M35 bemerkbar. Aber nun heißt es erst mal wieder gesund und danach fit werden, der nächste Lauf kommt schneller als man denkt.

Nach Hause ging es dann alsbald auf der luxemburgische Seite der Mosel über Schengen, welches sich nur knappe 10 km weiter südlich im Dreiländereck Deutschland/Frankreich/Luxemburg befindet und als Inbegriff für das Schengener Abkommen und das damit verbundene Reisen ohne Grenzkontrollen – in den teilnehmenden Staaten – steht.

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Im Dreiländereck

Fazit: Es kann nicht immer gut laufen und auch diese Erfahrung gehört dazu. Manchmal einfach in sich reinhören und vielleicht etwas anders entscheiden. Doch auch jetzt kann ich sagen – wieder was gelernt. Es war eine schöne und schnelle Strecke, wo unter optimal(er)en Bedingungen auch eine persönliche Bestzeit fallen kann. Vielleicht verschlägt es mich ja wieder einmal in die Gegend.

 

 

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