a-ha… ein Halbmarathon

Als es an die Überlegungen für dieses Projekt ging, war der Monat August relativ schnell geplant. Zusage und Mitfahrer war früh gefunden und so sollte es nach Kroatien auf die Insel Hvar gehen. Leider kommt es dann doch manchmal im Leben anders als man denkt, mein Mitfahrer hatte andere Priotitäten und so musste relativ kurzfristig umgeplant werden.

So ging es nicht ans Adriatische Meer, sondern in die komplette Gegenrichtung. Manch einer wird es bei der Überschrift schon vermutet haben, der Halbmarathon diesmal fand im Land der Trolle, Fjorde und eben auch (vor vielen Jahren) a-ha statt: Im Kongeriket Norge.

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Alter Hafen Stavanger

Neben einem Widerholungstäter – Heiko, der bereits im Januar mit auf Madeira war – reihte sich auch ein großer Morten Harket-Fan mit ein, Meike begleitete mich diesmal ebenfalls. Erfreulich auch deshalb, da es mehr als unverhofft zustande kam und dennoch alles wunderbar klappte. Der Einwurf jetzt wird mir aber noch gestattet sein – auch wenn danach keiner mehr mit mir spricht; man soll nicht glauben wie oft ich im Vorfeld zu diesem Trip von Damen bezüglich oben angesprochenem Sänger genötigt wurde ihn im Koffer zurück nach Deutschland zu ’schmuggeln‘. Nur mal unter uns, die a-ha-Zeit war größtenteils in den 80ern, der Gute geht nun auch stark auf die 60 zu. Und ich gebe einen guten Rat. Bemüht selbst mal eine Suchmaschine im weltweiten Web und schaut den lieben Morten auf einem aktuellen Bild an. Den wollt ihr doch gar nicht mehr auf der Couch sitzen haben 😉 Nee nee…

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Ob er da auch war?

Doch es geht hier ja eigentlich auch um sportliche Dinge, dann legen wir mal los. Der August-Lauf führte uns drei mit einem kurzen Zwischenstopp in Amsterdam direkt in die Fylke (Provinz) Rogaland, welche im südwestlichen Bereich des norwegischen Festlands liegt. Genauer ging es nach Stavanger, welches die viergrößte Stadt Norwegens mit etwas über 130.000 Einwohner ist. Unser Hotel lag gute 1.000m vom alten Hafen entfernt, an welchem die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen und wo sich das öffentliche Leben abspielt.

Da wir drei uns im Vorfeld schon grob Gedanken gemacht haben hinsichtlich kulturellem Programm, hockten wir natürlich nicht nur auf der Bude oder auf der Dachterrasse, von welcher man einen 360°-Rundumblick über die Stadt hatte. Unter dem Motto ‚Norwegen erkunden mit dem Linienbus‘ machten wir uns zuerst auf eine Reise ins Umland von Stavanger. Dabei besuchten wir Jernaldergården på Ullandhaug, einen Eisenzeithof aus der Zeit 350-550 n. Chr., danach den in der Nähe stehenden Ullandhaugtårnet, den 64m hohen Fernsehturm von Stavanger. Er steht auf einem 135 Meter hohen Berg und bietet einen unübertrefflichen Blick über Ryfylke, Nordjæren und Stavanger. Zurück in der Stadt zog es uns nun zum ‚Insel-Hopping‘ in den Norden.

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Eisenzeithof Ullandhaug

Es fährt ein Bus, nach nirgendwo – mit uns drein, fast allein… Irgendwo im nirgendwo kreuzen sich zwei Straßen und es gibt eine… Bushaltestelle. Der nettgemeinte Tipp einer älteren Norwegerin wurde beherzigt und so schlugen wir einen anderen Fußweg als geplant ein. Wir wurden mit einem wundervollen Ausblick vom Fjøløy Fyr, einem Leuchtfeuer, belohnt. Leuchtfeuer übrigens deswegen, da diese meist zwischen Passagen, etwa Inseln, liegen und nicht so hoch sind wie die großen Brüder – die Leuchttürme. Diese müssen schon alleine höher sein um z.B. die Erdkrümmung ‚auszugleichen‘ um aus weiterer Entfernung ersichtlich zu sein.

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Interessant die Befestigung mit Spanngurten
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Kleine Wanderung
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Das Leuchtfeuer vom Meer aus gesehen

Eine weitere Tour sollte uns dann einen Tag später in den Lysefjord führen. Von Stavanger aus ging es mit dem Katamaran bei leichtem Nebel los und die Fahrt führte uns in den knapp 40 km langen Fjord, welcher als wohl bekannteste Sehenswürdigkeit in diesem Teil Norwegens den Preikestolen hervorbringt. Das 604m hohe Felsplateau, Kanzel genannt, liegt an einer fast bis ins Wasser steil abfallenden Fjellkante. Nachdem wir von unten den Fjord mit seinen bis zu 1.000m hohen Felsen, Wasserfällen und sogar Seehunden auf uns wirken ließen, ging die Reise mit dem Bus weiter zur Preikestolhytta, dem Ausgangspunkt zur Wanderung auf den Berg.

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Seehunde im Fjord
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Preikestolen vom Katamaran aus

Bei mittlerweile leichtem Regen machten sich Heiko und ich auf die insgesamt mit 4 Stunden veranschlagte Wanderung nach oben. Meike konnte sich leider nicht anschließen und verbrachte die Zeit in der Kaffee-Bar der Hytta. Die Lemminge-Tour bewältigten wir dann auch wirklich in der angegebenen Zeit, wie sich das anstrengende Abenteuer aber Leute mit Hunden, Kleinkindern, 88jährige in Begleitung ihrer Eltern, nur in Shorts und Schläppchen oder auch Barfuß, antun können bleibt uns auch heute noch ein Rätsel. Selbst ein Fahrrad wurde nach oben getragen. Es war jedenfalls ein Erlebnis, auf dem Preikestolen zu stehen und bei derweil besserem Wetter den Blick über Fjord und angrenzende Felsformationen schweifen zu lassen. Auch wenn Heiko nicht den Eindruck hatte, selbst für mich war es etwas anstrengend. Dies merkte ich auch noch später. Im Bus und bei der anschließenden Fährüberfahrt ging ich doch sehr in mich…

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Aufstieg (einfache Strecke 2 Stunden)
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Blick auf den Lysefjord
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Die Kanzel
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Blick direkt von der Kante, das sind 600m
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Etwas Betrieb auf dem Berg

Nachdem wir am Freitag bei etwas Regen die Startunterlagen in der Tourist-Information abgeholt hatten, wurde der Tag mit Kultur weitergeführt. U.a. besuchten wir das direkt am Hafen gelegene Erdölmuseum, welches Einblick in die Arbeiten rund um das ’schwarze Gold‘ und die Offshore-Förderung in der Nordsee gibt. Highlight hier sind u.a. Miniaturplattformen, welche den direkten Vergleich z.B. zu der Höhe des Eiffelturms zeigen oder auch eine begehbare Plattform im Außenbereich mit Rettungsboot etc. Den Abend verbrachte ich dann damit, so etwas wie Sicherheitsnadeln für meine Startnummer zu finden. Ich hatte keine mitgenommen, ging also im Hotel auf die Suche. Was liegt denn auch näher als 4 Sewing Kits zu nehmen *lach* Das dachten sich zumindes die drei umtriebigen Damen am Empfang.

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Auch eine Art die Startnummer zu befestigen

Der Samstag begann etwas frisch, aber für den Start um 10 Uhr waren dann doch Temperaturen um 17 Grad vorhergesagt. Auch die Regenwahrscheinlichkeit lag bei geringen Prozenten. Daher entschied ich mich für kurze Laufsachen ohne viel Schnick-Schnack. Gute Entscheidung, wenn man manch bepackten „Laufesel“ später sah 😉 Nach dem Frühstück ging es dann die paar Meter zum Start zu Fuß. Der Start-/Zielbereich war auf dem Vorplatz der Stavanger Domkirke, der ältesten Bischofskirche Norwegens. Diese liegt etwas oberhalb vom alten Hafen und wurde, nachdem die Marathonis bereits um neun Uhr gestartet waren, nun von den Halben bevölkert. Kurz vor Beginn gab es dann noch ein Gemeinschafts-Warm-Up – wer es mag… Pünktlich um 10 Uhr machten sich dann die 834 Läufer gemächlich auf den Weg und starteten den diesjährigen Halvmarathon. Zuerst ging es etwas bergauf, wobei sich hier und da noch Hindernisse auf der Strecke zeigten. Doch die Autos und Absperrungen waren bald hinter uns gelassen und nach 2 km ging es auf eine erste Ehrenrunde um den Mosvatnet-See. Gleich darauf folgt im Bezirk Madla ein Doppelstöckiger Kreisverkehr, nach welchem man dann relativ schnell parallel zum KNM Harald Hårfagre (Madla-Lager), einem Boot-Camp für Marine und Luftwaffe, Richtung Hafrsfjord gelangt. Hier befindet sich das Denkmal Sverd i Fjell (Schwerter im Felsen), welches für Frieden, Einheit und Freiheit steht. König Harald Hårfagre (Harald Schönhaar) einte im Jahre 872 an dieser Stelle das Königreich. Ein sehr interessantes Bauwerk, welches wir uns ein paar Tage zuvor schon in Ruhe angesehen hatten.

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Schwerter im Felsen – ohne Rennerei
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…und noch mal in Bewegung

Über den Stadtteil Hinna ging es dann wieder in einem großen Bogen Richtung Innenstadt zurück. Dabei hatte man ab km 14,5 auf der rechten Seite immer einen grandiosen Ausblick auf Wasser und Berge. Manch einen Läufer hinter mir irritierte wohl etwas meine ‚Leidenschaft‘, während des Halbmarathon auch zu fotografieren 😉

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Die letzten Kilometer
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Sehr schön

Bei km 19 passierten wir dann Paradis, ein Bereich, in welchem sich der größte Yacht-/Boothafen Norwegens befindet. Nach einem letzten kleinen Anstieg, er war wirklich klein, ging es dann auf die finalen Meter und den Zielkanal an der Domkirke. Die Zeit war mit 1:38:56 ganz passabel, ich merkte schließlich auch noch die Wanderung zum Preikenstolen zwei Tage zuvor. Schneller als die vor dem Lauf angekündigten Zeit bin ich gewesen, daher kann ich ganz zufrieden sein. Die beiden Touris Meike und Heiko nahmen mich dann im Ziel in Empfang und nach einem längeren Frischmachen auf dem Hotelzimmer ging es dann noch mal in die Stadt.

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Die letzten Meter
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Im Ziel mit ‚Sverd i Fjell‘-Finishermedaille

Da wir kurz vor 16 Uhr im Canning-Museum (Dosenmuseum) eintrafen durften wir umsonst noch schnell rein. Leider machen viele Ausstellungen sehr früh zu, scheinbar aber normal, darf man den Worten eines Angestellten („That´s Norway“) Glauben schenken. Interessent war es aber auch hier allemal, trotz der wenigen Zeit bekamen wir einen Einblick in die Konservenherstellung und Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit. Abschließend waren wir noch in Gamle Stavanger, dem alten Stavanger, unterwegs. Hier befinden sich Holzhäuser aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, die meist weiß gestrichen sind. Es ist die größte noch erhaltene Holzhaussiedlung in Nordeuropa mit über 170 Häusern.

Mit meiner o.a. Nettoendzeit belegte ich Platz 154. von 834 und wurde 67. von 225 Startern in der Altersklasse M20-39. Lobenswert erwähnen möchte ich noch die Organisation und Informationsweitergabe des Veranstalters. Meine im Vorfeld auftauchenden Fragen hinsichtlich Attest, Medizincheck o.ä. konnte ich in englisch klären. Geantwortet wurde zu meinem Erstaunen vom Løpsleder GTI Friidrettsklubb in deutsch. Fand ich sehr nett – so sind sie dann auch irgendwie die Norweger. Der Fragebogen zum Lauf selbst kam dann wieder in Norsk. Takk dennoch, mit google translate ging es!

Kjære Leser – empfehlen kann ich Norwegen in der Region Stavanger nach diesem Ausflug allemal. Nette Leute, interessante Landschaften und man hat – wenn gewünscht – auch mal Zeit für sich. Hier wird es mich bestimmt wieder einmal hin verschlagen.

Abschließend aber noch ein erfolgreicher norwegischer Musiker der letzten Jahre. Alexander Rybak – der mit der Geige – gewann im Jahr 2009 mit Fairytale den Eurovision Song Contest (früher: Grand Prix Eurovision de la Chanson). Und wer weiterhin auf Morten steht – ich gönn ihn jeder einzelnen von euch!!!

3 Gedanken zu “a-ha… ein Halbmarathon

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