La Belgique oder doch België?

Diese Frage stellte ich mir vor der nächsten Etappe meiner Europatour. Als fünfte Station im Jahr 2016 ging es nach Belgien, genauer Visé, einer Kleinstadt mit ca. 18.000 Einwohnern im Grenzgebiet zu den Niederlanden. Sie liegt genau in der Mitte zwischen den Städten Lüttich (BE) und Maastricht (NL), direkt an der Maas. Auch Aachen (D) ist mit knappen 30 km relativ schnell zu erreichen. Doch wie wird dort gesprochen? Wie kommt man klar beim Abholen der Startunterlagen respektive der Anfahrt etc.? Französisch (un peu),  niederländisch (een paar woorden) oder babbele (parliere) sie gar doch Öcher Platt? Fragen über Fragen, die Antworten folgen später.

Namensgeber des Maasmarathon de la Basse Meuse, an welchem wir am 08.05.16 teilnahmen, ist folglich die Maas bzw. Meuse, wie sie im französischen genannt wird. Wir, das wird sich der aufmerksame Leser nun fragen? Diesmal bestand die Besonderheit in den 2 gemeldeten Mitläufern. Elo und Frank aus Iwwero, mit welchen ich von Zeit zu Zeit laufe, erklärten sich bereit, diesen HM gemeinsam mit mir zu laufen.

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Die Maas

Leider erwischte es Frank dann in der Woche vor dem Lauf gesundheitlich und ein go seitens Arzt konnte nicht gegeben werden. Hier sollte man aber die Vernunft walten lassen und dem Korpus die Ruhe gönnen. Wettbewerbe gibt es genug, Körper hat man nur einen! Von daher wünsche ich dir weiterhin gute Besserung. Schön, dass du dennoch mitgekommen bist um uns zu unterstützen und uns dann doch noch etwas Kultur nahegebracht hast.

Doch zurück zum Lauf in Belgien. Wir starteten also Samstag früh mit dem Auto und beschlossen, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen und in Visé die Startunterlagen mitzunehmen und nach Parkmöglichkeiten für den Renntag zu schauen. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt fanden wir dann auch den Zielbereich und machten uns auf die Suche. Bereits beim Abholen wurde es aber dann relativ schnell klar, welche Sprache uns ab jetzt erst mal begleiten würde. Meine Startnummer deux mille treize (2013) und die beiden anderen Nummern bekamen wir noch gerade so, doch spätestens bei der Frage nach den Frühmelder-Shirts, welche die ersten 100 HM-Läufer bekommen sollten, gingen die Sprachkenntnisse doch etwas auseinander. Letztendlich arbeiteten wir uns durch verschiedene Räume mit Händen und Füßen durch und konnten letztendlich Erfolg verzeichnen. Danach ging es dann direkt ins Hotel.

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Zur Übernachtung wählten wir eine Unterkunft in Valkenburg aan de Geul (NL), ganz in der Nähe der alten Heimat von Frank. Dies bot sich an, da es bis nach Visé nur knappe 25 Kilometer waren. Dem ein oder anderen Sportinteressierten dürfte Valkenburg ein Begriff sein, alljährlich findet hier am Cauberg der Zieleinlauf vom Amstel Gold Race statt, auch die Tour de France endete bereits hier. Dabei war stets der knapp 800 Meter lange Anstieg der letzte Streckenabschnitt. Bei 65 Höhenmetern kommt man so auf eine Steigung von 8-11%. Dies taten sich jede Menge Radfahrer an, interessant sah es schon aus.

Nach einem gemütlichen Abend ging es dann am nächsten Tag frisch ausgeruht nach Belgien. Nachdem wir einen Parkplatz gefunden und uns mit den Gegebenheiten vertraut gemacht hatten, trennten wir uns von Frank, da er Fotos vom Lauf machen wollte. Einen Treffpunkt mit Zeit legten wir fest, dann ging es auch schon ans Warmlaufen. Bereits am Samstag zeichnete sich ab, welches Wetter uns erwarten würde. Sonne und Temperaturen um 28° sollten es uns während des Laufes nicht einfach machen.

Zwischendrin wurden immer mal wieder verschiedene Kinderläufe gestartet, lustig hierbei, dass es immer aus unterschiedlichen Blöcken los ging, sich die Bilder danach aber glichen… Nervöse Eltern, völlig planlos durcheinander rennend – alle auf der Suche nach der besten Möglichkeit, vom Zieleinlauf der Kleinen Bilder zu machen. Amüsant!

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Gewusel vor dem Start

Dann ging es für Elo und mich in den Startblock und wir hielten vergeblich Ausschau nach Tempomachern oder ähnlichem. Später konnte ich vor mir einen (!) Läufer mit 1:45-Flagge finden. Den wollte ich aber dann relativ schnell hinter mir lassen. Richtig imponiert hat uns aber in der Startaufstellung, dass auch ein blinder Läufer als Teilnehmer da war. Im TV konnte ich so was schon öfter sehen, bei einem Wettkampf selbst jedoch noch nicht. Rückwirkend betrachtet war es bei den vielen Löchern und Unebenheiten eine absolute Top-Leistung was er und sein sehender Laufpartner vollbracht haben!

 

Pünktlich ging es dann um 11 Uhr los (als Countdownmusik lief 99 Luftballons in der deutschen Version) und zuerst drehten die etwas mehr als 1.000 Halbmarathonläufer eine knapp 1,5 km lange Runde durch die Innenstadt, bevor es dann erstmals über die Maas ging. Nach einem Abstecher von 5 km Richtung Süden ging es dann schon wieder zurück in die Gegenrichtung. Die Kilometer 6-11 führten die Läufer dann immer an der Maas entlang, der Belag wechselte öfter, etwas gewöhnungsbedürftig waren die Passagen mit Kopfsteinpflaster. Schön war, dass ich in diesem Abschnitt mit einem belgischen Triathleten ins Gespräch kam und wir einige Zeit gemeinsam Tempo machen konnten. Er wollte dann aber die 2. Hälfte schneller laufen und so ließ ich ihn ziehen. Aufgrund der Temperaturen kam es mir aber auch gelegen und ich nahm noch etwas Tempo raus.

Nachdem man nun letztmals die Maas querte ging es bis etwa km 17 durch dünn besetztes Gebiet. Industrie, Felder und wenig Schatten zogen hier nicht wirklich Massen an Zuschauern an. Dabei hätte gerade hier an der sehr leichten Steigung etwas anfeuern gut getan. Aber man schleppte sich so durch. Wenigstens an den Wasserstationen wurde man namentlich angefeuert und es pushte doch wieder etwas. Bevor es dann aber die letzten 500 m „nur noch bergab“ (O-Ton Frank) ging, musste man sich noch mal ein kleines Stück bergauf quälen retten. Aber auch das ging irgendwie vorbei und im Zielkanal gab es wieder Stimmung und die Läufer wurden vom Publikum angefeuert. Völlig fertig und in Erwartung einer katastrophalen Zeit lief ich mit 1:41:01 ins Ziel ein. An diesem Tag war einfach nicht mehr drin. Aber das macht nichts. Nächsten HM geschafft und einen weiteren Länderpunkt 2016 gesammelt, das ist was zählt.

Nachdem ich mich wieder einigermaßen aufgefrischt hatte, ging ich zurück in den Zieleinlauf um Elo in Empfang nehmen zu können. Eine Zeit von +/- 2:00 war die Vorgabe seinerseit und so wartete ich auf ihn. Leider verpasste ich ihn wohl aber an einem Punk und aufgrund Probleme mit den Schuhen kam er auch später ins Ziel als geplant. Nachdem Frank und ich noch einige Zeit auf ihn warteten, machten wir uns zum nächsten Treffpukt auf und dort trafen wir Elo dann. Scheinbar haben sechs Augen nichts gesehen und wir haben uns alle verpasst. Aber abends beim obligatorischen Bierchen und niederländischen Spezialitäten war dann alles wieder gut 😉

Auch der blinde Teilnehmer kam mit einer guten Zeit ins Ziel, ca. 2:02 – Klasse Leistung. Da sieht man wieder einmal was Sport bewirken kann!

Nach Auswertung der Listen kann ich nun sagen, dass Elo mit einer Zeit von 2:16:03 Platz 705 und AK40 Platz 158 belegte. Meine Zielzeit vom Halbmarathon numéro cinq von 1:41:01 entspricht Platz 132. (von 1.012) und in der AK35 Platz 29 (von 103). Aber was noch schöner ist. Ich bin bester Deutscher 🙂

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Letztendlich muss man aber sagen, dass mit diesen Temperaturen für mich keine Fabelzeit drin war. Ich bin mittlerweile wieder zufrieden und froh, dass ich mich so im Griff hab, dass ich keine 21 Kilometer in einem zu hohen Tempo laufen muss, nur damit ich Ziele erreiche. Was geht, das geht. Und wenn es an einem Tag nicht so läuft, egal! Leider haben das einige Läufer nicht beherzigt und somit war auch der Rettungsdienst an der Strecke und im Zielbereich gefordert. Es ist immer noch ein Hobby und das soll Spaß machen. Wenn man gesundheitliche Probleme davon bekommt, dann ist das alles nichts.

Schön war die Tour mit den beiden Jungs und ich hoffe, dass es sich wieder einmal ergibt, gemeinsam zu laufen. Für Frank würde es mich besonders freuen, war es doch seine Idee mit der Anmeldung zum Maasmarathon. Werde fit und dann sehen wir weiter!

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Die Herren

 

 

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