De oudste marathon van Nederland

Ich gebe zu, eigentlich hatte ich einen anderen Titel überlegt. Aber Hup Holland Hup macht ja doch nur Sinn, wenn die Niederländer bei der Europameisterschaft dabei wären. Sind sie aber nicht 😉 Und hier haben wir dann auch die Parallele. Bereits Mitte April können die Jungs um Bondscoach Danny Blind ausprobieren wie es ist, ein Sportgroßereignis im TV zu schauen. Der Älteste Marathon der Niederlande, immerhin seit 1947, wird ebenso live übertragen wie die EM-Spiele aller qualifizierten Teams im Sommer. Und die genießen die Spieler der Oranje bestimmt auch beim Public Viewing oder auf der heimischen Couch. Aber genug gehetzt, wir sind ja beim Laufen und nicht Fußball, daher zurück zu wichtigen Dingen.

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Nun war sie also endlich vorbei, die HM-Pause von 6 Wochen. Wie schnell die Zeit doch verging seit Antalya. Das Jahr rennt nun einmal auch… Und ich nicht minder – es wurde dann aber doch eine relativ gemütliche Zeit. Nur ein paar lange Läufe, dazwischen etwas Tempoläufe – reicht doch auch. Was war noch mal Krafttraining!?

Enschede hieß das Ziel des 4. HM im Jahr 2016. Erfreulich in zweifacher Hinsicht war, dass nicht nur wieder eine Begleitperson dabei war, sondern auch ein Mitläufer. Bastian war so mutig und hatte ohne zu zögern für den HM gemeldet. Glaube auch, er hat es nicht bereut. Mal schauen was die Beine heute bei ihm melden *lach*  Aber ohne Spaß, ich hab mich sehr darauf gefreut mit ihm dort zu laufen, schließlich war es erst sein 2. Halbmarathon überhaupt. Und dann dies mitzumachen verdient meinen vollen Respekt!

Die Anreise war diesmal relativ unspektakulär. Bastian hatte die Kids dabei und die beiden freuten sich sehr auf den Ausflug. Zuerst ging es am 16.04. gegen Mittag mit dem Auto nach Duisburg. Dort gab es eine Übernachtung bei der Cousine von Bastian, stilecht für einen Holland-Halbmarathon natürlich im Wohnwagen. Dagmar, Volker und die beiden Kinder empfingen uns sehr herzlich. Besonders toll fand ich, dass es überall MSV-Zebras zu sehen gab – da war doch auch was mit Fanfreundschaft…

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Wohnwagen – was sonst

Nachmittags machten wir uns dann erstmals auf den Weg ins Nachbarland. Wir wollten uns den Stress am Wettkampftag ersparen und vorab schauen wie es mit Parkmöglichkeiten aussieht. Dank der guten Beschreibung des Veranstalters konnten wir zentral parken und machten uns auf den Weg zum Saxion. Hier in der Fachhochschule konnte man die Startunterlagen abholen und auch etwas über die Messe schlendern. Leider waren wir etwas spät dran, so dass die Aussteller bereits um 17.30 Uhr einpackten. Die Unterlagen bekamen wir völlig problemlos, ebenso wie das vorbestellte Laufshirt – so fern man eins bestellt hatte. Hier bekamen die twee jongens van achter de grensletztendlich auch auf deutsch geholfen. Vielen Dank an die junge Dame. Danach schauten wir uns noch den Start-/Zielbereich an und traten die Heimreise nach Duisburg an.

Abends waren wir dann noch mit Dagmar und Familie Anne Tränke zum Essen. Anstelle der obligatorischen Pasta-Party und Wasser-Exzesse hatte ich mir kurzfristig etwas neues überlegt. Aber ob ich zukünftig bei Köpi und Schnitzel bleibe, das muss ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen. Früh ging es dann zurück in den Wohnwagen und wir richteten uns auf die Nacht ein. Leider war es mit knappen 5° C eine sehr kalte und manchmal hab ich mir doch noch eine Decke zusätzlich gewünscht. Aber es ging auch vorbei. Hatte dennoch was!

Nach dem Frühstück (bei Volker gab es irgendwas mit Thunfisch und undefinierbar obendrauf), was bei mir wie immer sehr klein ausgefallen ist, machten wir uns dann gemütlich auf den Weg nach Enschede in der Provinz Overijssel. Wie geplant parkten wir in der H.J. van Heekgarage und waren schon mittendrin im Geschehen. Da die Wettervorhersage („Gunstige weersomstandigheden“) uns nicht wirklich schlau machte, ging es dann erst mal aus der Tiefgarage – welche sich direkt im Start/Ziel-Bereich befand – nach oben um einen Temperaturcheck vorzunehmen. Wir haben uns dann nach einiger Überlegungszeit dazu entschlossen, in kurz – 1/2 – „Kniestrumpf“ bzw. lang – kurz – kurz zu starten. Für mich war es trotz des vorübergehenden Sonnen-Intermezzo eine gute Wahl, da es doch stellenweise etwas kühl, nass und windig war.

Nun war es also kurz vor Start und nach dem Aufwärmen verabschiedeten wir uns voneinander, da ich doch noch etwas weiter nach vorne wollte. Die Startaufstellung war in 5-Minuten-Abschnitte unterteilt und ich reihte mich knapp vor der 1:45 ein.

Dann, dann, dann war endlich der Start – oder doch nicht? Nee, es bewegt sich was, das muss ein Start gewesen sein. War er dann auch, in Holland macht man so was scheinbar ohne großes Aufsehen. Es war jedenfalls sehr „rustig“ (still).

Nun war man also mittendrin im Läuferfeld und es ging erst mal durch die Innenstadt, wo sehr viele Zuschauer die Strecke säumten. Hier und da „staute“ es sich auf den ersten Metern auch leicht, da mancher Ordner den Läuferschwarm in die vorgeschriebene Richtung an Verkehrsinseln etc. vorbeilotsen musste. Aber alles in allem war es nicht schlimmer als bei vergleichbaren Veranstaltungen.

Nachdem man die Innenstadt von Enschede verlassen hatte ging es etwas über Land nach Lonneker. Hier herrschte Volksfeststimmung, die Leute feuerten an und es gab an vielen Ecken Musik. Außerdem war fast der ganze Ort an den Häusern geflaggt. Sah schon irgendwie cool aus. Am Ortsausgang und einer leichten Steigung erwartete dann die Läufer mit de Lonneker Mole eine Windmühle aus dem Jahr 1851. Leider konnte ich kein Foto machen, denn kurz vorher hatte sich innerhalb von Sekunden ein Läufer vor mir aus dem Wettbewerb begeben und ich musste etwas schmunzeln. Glaube er kannte bei einer Partylocation ein paar Leute und ist auf ein Bier oder so eingekehrt 😉

Dann ging es schon langsam wieder zurück Richtung Stadt, man durchlief noch ein paar Straßen mit mehr oder weniger Zuschauern, bevor es ab Km 13 dann erst mal auf eine lange Gerade Richtung Deutschland ging. Kurz nach Km 16, ca. 500 m vor der Grenze, wurde in Glanerbrug dann der Rückweg eingeleitet und es ging die komplette Gerade erst mal wieder zurück. Nach der Wende nahm ich etwas Tempo raus – na eigentlich musste ich dem leichten Wind Tribut zollen – und schaute, ob Bastian eventuell schon auf den letzten Kilometern ist. Leider sah ich ihn nicht mehr, so dass ich dann wieder mit etwas Schwung auf die letzten Meter ging. Im Zielkanal erwarteten die Läufer dann wieder eine sehr große Anzahl an Zuschauern. Es wurde gerufen, geklatscht, gejohlt und was sonst noch zur Stimmung beitrug. Das können sie schon gut, diese Holländer Niederländer.

Angetrieben von dem ganzen Schauspiel erreichte ich in einer Zeit von 1:34:25 letztendlich das Ziel. Viel schneller als ich mir vorgenommen hatte, jedoch war noch etwas Luft „nach oben“. Mich freut es total, dass ich nun die 1:35 geknackt habe, schließlich wollte ich alle Läufe immer so (gemütlich) um die 1:45 laufen. Mir ist aber auch bewusst, dass man nicht von Lauf zu Lauf besser und immer schneller wird. Mir ist es weiterhin wichtig, dass ich gesund über das Jahr komme und wenn was drin ist, dann lauf ich es halt. Wenn nicht, dabei sein ist alles!

Im Ziel gab es dann die obligatorische Medaille und neben Wasser stand noch ein Iso-Drink und Banane zur Verfügung. Persönlich etwas schade fand ich, dass man keine Möglichkeit hatte, sich etwas wärmendes überwerfen zu können. So eine billige Erste-Hilfe-Rettungsdecke – oder sagen wir Folie – wirkt manchmal Wunder und hilft auch den Läufern, die noch auf Nachzügler etc. warten. Nicht jeder hat schließlich einen Betreuerstab dabei. Letztendlich entdeckte ich aber ein kleines, selbst gemaltes Schild „Massage“. Diese gab es im Eingangsbereich eines Einkaufszentrums, dort kam ich dann auch mal für ein paar Minuten unter. Es roch zwar nicht so schön, aber wie sagt der Volksmund: „Erfroren sind schon viele, erstunken ist noch keiner.“ – da ist was dran. Und hier sah man gerade gegen Ende des Laufs einige böse Füße… Aber das sollte bis zum 49. Enschede Marathon 2017 bestimmt wieder verheilt sein.

Später ging es dann wieder raus an die frische Luft, um Bastian direkt am Zielbogen in Empfang nehmen zu können. Während dieser Zeit schaute ich mich so um und sah in größtenteils zufriedene Gesichter. Es ist schon toll zu beobachten, was so verschiedene Typen Mensch auf sich nehmen um ihre Ziele zu erreichen. Bastian trudelte dann schließlich auch ein und einer der ersten Sätze war dann auch: „Ich könnte grad noch einen laufen.“ – ich nehm dich beim Wort 😉

Nachdem wir uns dann umgezogen hatten lösten wir noch das vergünstigte Parkticket (*lach*) ein und machten uns dann auf den Weg zurück an die Ruhr. Bevor wir uns dann wieder mit den Kids auf den Weg Richtung Heimat machten gab es noch was typisches zu essen. Frei nach dem Geburtstagskind der Woche (Happy Birthday zum 60.) „Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt – ne Currywurst“ – also wenn man schon da ist. Aber auch der stilvollste Ausflug hat irgendwann ein Ende und es ging ans aufbrechen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die lustigen Duisburger, es war sehr geil bei euch!

Kurz vor zehn abends trafen wir dann am 17.04. wieder in Reinheim ein. Glücklicherweise waren wir zügig und ohne viel Verkehr durchgekommen.

Abschliessend: Über 10.400 Teilnehmer in allen Wettbewerben verzeichnete der Enschede-Marathon 2016, das stellt einen neuen Rekord dar. Bastian erreichte mit einer Zeit von 2:23:20 das Ziel. Mund abputzen und weiter. Deine Wunschzeit erreichst du ganz bestimmt! Bleib einfach dran! Danke nochmals für den schönen Ausflug.

Mit meinem offiziellen Ergebnis von 1:34:25 (wir wollen hier mal nicht mit brutto/netto-Zeit anfangen) belegte ich Platz 258 (von 2.653). In der AK35 wurde ich 25. von 209. Bin zufrieden und die Oorkonde druck ich mir jetzt gleich mal aus *lach*

4 Gedanken zu “De oudste marathon van Nederland

  1. Sehr schön geschrieben und nochmal Glückwunsch zur neuen Bestzeit – es hat mich gefreut, Dich bei diesem tollen Projekt so unterstützen zu können… viel Glück für die restlichen acht Läufe 😉

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